News
14.05.2009 - Wolfsburg
Die Stärken des Einzelnen herausarbeiten
Von Markus Schulze
Rühen .
2008 gingen das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) Wolfsburg und die
Hauptschule Rühen eine Kooperation ein. Initiiert wurde ein in Niedersachsen
bisher einmaliges Projekt zur Berufsorientierung. Das Premierenjahr ist nun
vorüber - und die Teilnehmer erhielten ihre Zertifikate.
Stolz wie Oskar hielten die 25 Hauptschüler am Montag den Beweis ihrer
Schaffenskraft in den Händen. Rund neun Monate hatten sie sich intensivst mit
ihrer Zukunft beschäftigt. Jeden Montag legte das CJD den Eleven
unterschiedliche Tests vor. Daraus wurde wiederum ein Profil erstellt.
"Herausgearbeitet wurden die Stärken und Schwächen, beispielsweise im
Bezug auf die Motorik und die Konzentration", erklärte der pädagogische
Leiter des CJD, Uwe Klaue. Nun wissen die Jugendlichen ganz genau, für welchen
Job sie geeignet sind und für welchen eher nicht.
Parallel wurden die Probanden auch für ein Bewerbungsgespräch vorbereitet.
"Schon mit dem Profil selbst können sie für sich werben und ihre Stärken
können sie nun besser darlegen", erläuterte Klaue. Darüber hinaus stand
für die Hauptschüler auch ein zweiwöchiges Praktikum in den CJD-eigenen
Werkstätten an. Dabei konnten sie - "in einem geschützten Umfeld, wo sie
noch nicht dem betrieblichen Druck ausgesetzt sind" - einen Einblick in 15
verschiedene Berufe aus mehreren Berufsfeldern wie etwa Metall
(KFZ-Mechaniker), Hauswirtschaft, Gastronomie (Koch, Restaurantfachmann,
Garten- und Landschaftsbau sowie Farbe (Maler) und Verwaltung (Bürokaufmann)
gewinnen. Dabei mussten die Schüler auch mindestens in einen Beruf
hineinschnuppern, der nicht zu ihren Favoriten zählte. "Es geht darum, den
Horizont zu erweitern", sagte Klaue. Eventuell könnten so auch verborgene
Talente und Interessen entdeckt werden. Zumal "mir keiner erzählen kann,
dass ein Achtklässler schon 100-prozentig weiß, was er mal werden will".
Die erstellten Profile beinhalteten bisweilen durchaus Überraschungen. Etwa,
dass eine Lese-/Rechtschreibschwäche nicht unbedingt ein Hemmnis für eine
Tätigkeit am Schreibtisch sein muss. Kurzum: Die Hauptschüler wurden
kontinuierlich auf ihren späteren Werdegang vorbereitet und dabei durchweg von
Experten betreut. Genau darin sieht Rektor Peter Fessel den entscheidenden
Vorteil zu den bisherigen Angeboten wie Infotage. "Die Schüler", so
Klaue, "brauchen eine langfristige Begleitung, aus einer Hand, einen roten
Faden bis zum Schulende". Fessel fügte hinzu: "Es ist vor allem
wichtig, dass die Schüler nicht einfach was berichtet bekommen, sondern selbst
eine Perspektive erkennen und eigenständig etwas dafür tun müssen." Alles
für ein Ziel. Klaue: "Dass die Jugendlichen direkt nach der Schule in eine
Ausbildung kommen und nicht erst in eine Warteschleife." Fessel ergänzte:
"Unsere Quote war in der Hinsicht schon relativ gut, aber unser Streben
muss es sein, die Berufsfähigkeit weiter zu erhöhen." Eben dies sei
erreicht worden.
Sowohl Klaue als auch Fessel betrachten das vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung unterstützte Modellprojekt als vollen Erfolg. Insofern besteht
an einer Fortsetzung nicht der geringste Zweifel. Nicht zuletzt auch aus
Image-Gründen. So sei das Bild vom faulen Hauptschüler schlichtweg falsch.
Klaue: "Mit einem Ziel vor Augen sind sie top-motiviert."
Die Teilnehmer des neuen Projektes an der Hauptschule Rühen bekamen
jetzt ihre Zertifikate.





